Wien. Während die heimischen Medienhäuser überlegen wie sie das Hoffnungsprodukt iPad nutzen könnten und Apple den Verkaufsstart in Österreich nach hinten schiebt, preschte Eugen Russ Ende vergangener Woche vor und präsentierte mit „vol.at HD“ ein erstes Content-Angebot für den iPad. Die Reaktionen darauf waren eher verhalten. Manche meinten, das Angebot sei lediglich die fürs iPad adaptierte vol.at Website. medianet befragte den Verleger zu seinem Vorstoß, seinen (Business)-Plänen und hörte sich um, was die Branche dazu sagen.
medianet: Während andere Verlage von Juni oder Juli als möglichen Launch-Termin sprechen, preschen Sie als erster mit einem eigenen iPad-Angebot vor …
Eugen Russ, Vorarlberger Medienhaus: …wir haben immer gute Erfahrungen mit dem „first mover advantage“ gemacht und wollten diesen Vorteil auch mit beim iPad nutzen. Wir waren ja auch die ersten, die eine iPhone-kompatible Website gestartet haben und entsprechend wollten wir auch hier als erste durch die Ziellinie gehen.
medianet: Welche Funktion übernimmt für sie das iPad?
Russ: Es ist ein zusätzlicher Ausspielkanal für unsere Produkte und eine weitere Möglichkeit, Reichweiten zu steigern um dadurch der werbetreibenden Wirtschaft noch bessere Angebote machen zu können.
medianet: Die Stärken des iPad?
Russ: Alle Inhalte von vol.at werden perfekt an den iPad Screen angepasst, der User kann Newspics oder Bilderserien in einzigartiger Qualität und optimaler, bildschirmfüllender Darstellung konsumieren. Besonders die Darstellung von großformatigen Bildern gelingt einmalig. Wir haben bereits etliche Features in der Pipeline, über die wir derzeit aber noch nicht sprechen können.
medianet: In welche Richtung wird es gehen?
Russ: Bei den Applikationen wird das Thema Interaktivität sicherlich eine große Rolle spielen oder auch jene, bei denen die Zusammenführung von GPRS-Daten einen besonderen Vorteil bringen kann.
medianet: Das iPad ist ja nur einer von künftig vielen eReadern.
Russ: Wir konzentrieren uns auf iPhone und iPad. Die Dinge sind hier relativ kompatibel und allein mit dem iPhone decken sie 95% der Smartphone-Zugriffe ab. Android ist auch ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen.
medianet: Zum Erstaunen der Branche bieten sie Ihre iPad-Inhalte kostenlos an …
Russ: Free Content wird man nicht abschaffen können und mit vol.at HD haben wir das auch nicht vor. Vol.at ist eine Marke die mit Gratisinhalten im Netz groß geworden ist und auf dem iPad und iPhone werden die Inhalte gratis bleiben. Die Marke „Vorarlberger Nachrichten“ steht aber auch für Bezahlinhalte und hier haben wir bereits, wenn sie so wollen mit dem e-Paper eine kostenpflichtige Applikation im Netz. Eine iPad-Applikation für die Vorarlberger Nachrichten wird es ebenfalls geben.
medianet: Wie lautet die Strategie?
Russ: Wir fahren eine Zweimarken-Strategie. Regionale Onlinemarken wie salzburg24.at, vienna.at aber auch unsere Angebote dieser Art in Ungarn und Rumänien sind online, auf dem iPhone und dem iPad kostenlos. Daneben gibt es „Bezahlmarken“ wie die Vorarlberger Nachrichten. Für jene Marken, für die man es bisher gewohnt war zu zahlen, werden auch künftig kostenpflichtig sein.
medianet: Viele Verleger legen große Hoffnungen in das iPad …
Russ: Mit dem Aufkommen des iPad sehe ich die Chance, dass sich die Vernunft durchsetzt, dass teuer erstellte Inhalte auch in Zukunft nur gegen Bezahlung zur Verfügung gestellt werden. Hier gibt es eine interessante Entwicklung aus den USA. War beispielsweise der Internetzugang via W-LAN auf Flughäfen, bei Starbucks, McDonalds & Co. bis vor einigen Jahren noch kostenlos, müssen sie heute - wenn auch nur ein, zwei Dollar - dafür bezahlen. Das heißt: Die Gratiskultur bei W-LAN, die es hier vor zehn Jahren noch gegeben hat, ist vollkommen verschwunden. Das gleiche wird im Bezug auf bestimmte Inhalte passieren, denn niemand ist es gelungen diese, produziert durch kostenaufwändige Redaktionen mit Werbung zu finanzieren.
medianet: Das iPad bietet vor allem im Bereich Audio und Video enorme Möglichkeiten …
Russ: … Wir haben das Videothema breit aufgehängt und zur Kenntnis nehmen müssen, dass Bewegbild-Angebote nur in einem ganz bestimmten Bereich für den User attraktiv sind. Spots über Unfälle, Partys, hübsche Menschen oder junge Tiere finden Anklang, Politiker Pressekonferenzen oder Wirtschaftsnachrichten können sie darüber nicht vermarkten.
medianet: Nach dem Launch ihres iPad Contents hat Apple den Verkaufsstart des iPad verschoben. …
Russ: Schade. Aber Deutschland startet Ende des Monats, und wir werden viele Geräte in Österreich sehen.